Erdbeerfeld, Autogrammstunde und zitternde Lippen

"Ich weiß doch, dass ihr noch nichts gegessen habt und dass ihr aufgeregt seid, meine Lieben!" Mit diesem Satz begrüßte uns Thomas Papa Nehrkorn und streckte Jürgen und mir belegte Baguette entgegen. Schließlich waren noch dreißig Minuten Zeit bis zur Abfahrt nach Potsdam und man konnte noch halbwegs ruhig am Küchentisch Konversation führen.

Es ist schon ungewöhnlich sich kurz nach der Mittagszeit Gedanken über ein Konzert, welches neun Stunden später stattfinden sollte, zu machen und das auch noch mitten in der Woche. Dieser Donnerstag wurde bei vielen Treffen und Gesprächen geplant, gefärbt und versucht gut zu bestreiten. Es soll der Tag der Veröffentlichung werden. Der Tag, an dem die neue Single vorgestellt werden soll. Der Tag, an dem wir uns schon um 14.00 Uhr im Potsdamer Spartacus treffen werden, um alles in Ruhe vorzubereiten.

Es soll aber auch der Tag sein, an dem der Startschuß fällt für eine gemeinsame Sache zwischen der Band und dem Plattenlabel "Tonanbau Records" aus Berlin. Die Single ist fertig, auch wenn sie anders heißt, als die Band plante. So ist letztendlich auch das Cover-Motiv zu erklären, welches weitaus wenig etwas mit einem Erdbeerfeld zu tun hat. Wie gesagt, der Weg war vorerst mit anderen Pflastersteinen bebaut worden.

So fuhren Heike, Jürgen, Christian, Thomas und ich Richtung Norden und versuchten die Fahrstreifen auf der Autobahn zu zählen. Es waren genau 21.344! Wer´s nicht glaubt, soll nachzählen. Denis begann, nachdem er sich noch beim Arzt zwei nette Spritzen für den Rücken holte, die Landeshauptstadt vom Süd-Osten aus anzufahren und vergaß dabei fast den vierten Gang einzulegen, so dass er ein "wenig" verspätet die Potsdamer Lokalität betrat.

Nachdem man die Backline aufgebaut und den Soundcheck hinter sich gebracht hatte, begab man sich in den Backstage-Bereich und folgte den Anweisungen der Jungs vom Label. Dort hatten diese nämlich die Idee, dass die Band schnell mal eben 120 CDs signiert, welche man dann abends anbieten wolle. Mit runzelnder Stirn fügte man sich und unterschrieb. Das Schöne dabei war, dass man nur einen Stift hatte und es dadurch kaum Zeit in Anspruch nahm.

Ein wertvolles und beruhigendes Gefühl, dass man nicht allein ist. Ein gutes Team ging den Abend an. So war Heike Nehrkorn als Gastsängerin vor Ort und katapultierte mit ihrem Lächeln stets Wärme in unsere Herzen. Schließlich war sie an diesem Abend unser Weihnachtsengel und teilweise schien sie sogar Flügel zu zeigen. Thomas Pioch, welcher aufgrund seiner Kompetenz und seinem Humor nicht mehr wegzudenken ist, hatte sich extra frei genommen und war stets mit Rat und Tat zu Diensten. Der zweite Thomas heißt mit Nachnamen Gericke, ist begnadeter Schlagzeuger und hauptberuflich im professionellen Tontechnik-Bereich tätig. Er leitete den guten Ton, und das mit äußerster Strenge, die man an solchen Abenden auch dringend braucht. Den dritten Thomas braucht man nicht vorzustellen, ihn kennt sowieso jeder und er ist mit dem Projekt "Blind Man´s View" wahrscheinlich mehr vertraut als die Musiker selbst. Als zweiten Gastmusiker luden wir Paul Stöher ein, der auch beim Single-Song "strawberryfield" das Piano einspielte und nun Karriere als Profimusiker bei der Bundeswehr macht. Insider wissen nun, dass die komplette Excelsis Rockband vor Ort war, um mit uns eine Symbiose einzugehen, welche sich gewaschen hat.

Zwischendurch sorgte man nur kurz für absolute Ruhe, denn das UKW-Gerät lud ein zum Zusammentreffen. Radio Eins spielte pünktlich zum Datum den aktuellen Song und verloste obendrein Freikarten für das heutige Event. Der angenehme Stolz meinerseits sei hier versteckt beschrieben. Klasse!

Der Spartacus füllte sich und mit ihm stieg auch der Adrenalin-Pegel. Schließlich waren auch wichtige Gäste im Raum und sorgten für kurzfristige Gesprächsrunden innerhalb der Band.

Alles zusammengefasst war es ein wunderschöner Abend, wobei für mich die unplugged gespielte Runde an der Seite von Heike und Paul das Größte war. Stolz und Ehre gaben sich innerlich abwechselnd die Hand und erzählten mir Geschichten von bunt eingefärbten Räumen, was sicherlich auch damit zu tun hatte, dass das Publikum so konzentriert zuhörte. Man sollte es mir auch ansehen, denn nicht nur aus einem Munde erfuhr ich, dass meine Lippen gezittert haben. Ich bedanke mich sehr für diesen einprägsamen Abend. Und nicht vergessen: Die wichtigsten und wertvollsten Leute sind die, welche vor und nicht auf der Bühne stehen.
Vielen, vielen Dank!

euer Marcel